Pharma und Selbsthilfe

Unabhängigkeit der Selbsthilfegruppen ist entscheidend

Weshalb Selbsthilfe Schweiz der Finanzierung von Selbsthilfegruppen durch Pharmafirmen kritisch gegenüber steht.
Die SRF-Sendung Eco behandelt in einer dreiteiligen Serie „Tricks der Pharmaindustrie“ unter anderem den Aspekt von gesponserten Selbsthilfeorganisationen. Zu Wort kommt auch die Geschäftsführerin von Selbsthilfe Schweiz, Sarah Wyss. Selbsthilfe Schweiz verzichtet bewusst auf die direkte Finanzierung von Selbsthilfegruppen durch Pharmafirmen.
Eine Selbsthilfegruppe ist ein Zusammenschluss von Menschen, die gemeinsam ein für sie wichtiges Thema bearbeiten. Zum Beispiel eine Krankheit. In der Gruppe werden Erfahrungen, Informationen und praktische Bewältigungshilfen für den Alltag ausgetauscht. Die Selbsthilfegruppen orientieren sich an den Ressourcen der Teilnehmenden und werden normalerweise nicht fachbegleitet. Die Gesprächsleitung wird von den Teilnehmenden selbst übernommen. Bei aller Unterschiedlichkeit der über 2500 Selbsthilfegruppen in der Schweiz stehen stets die Interessen der Teilnehmenden im Zentrum. Es werden keine wirtschaftlichen Ziele verfolgt. Die Gruppen werden nach Bedarf gegründet, es wird kein künstliches Angebot geschaffen. Die Teilnahme basiert auf absoluter Freiwilligkeit. Selbsthilfegruppen können deshalb weder verordnet noch von oben herab initiiert werden.

Aus dieser Perspektive ist es Selbsthilfe Schweiz ein Anliegen, dass Selbsthilfegruppen eigenständig und in sich selbst funktionierend sind. Und dass keine Abhängigkeiten gegenüber Dritten bestehen. Dazu gehört auch die finanzielle Abhängigkeit, die durch die Finanzierung durch Pharmafirmen entstehen könnte. Selbsthilfe Schweiz wehrt sich aber nicht gegen ein gesellschaftliches Engagement von Pharmafirmen, auch in finanzieller Form. Bereits heutzutage findet - beispielsweise in der Forschung - eine wertvolle Zusammenarbeit zwischen der Pharmaindustrie und Gesundheitsorganisationen statt. Ein weiterer Schritt wäre eine zusätzliche Finanzierung der Gesundheitsförderung. Z.B. über die Gesundheitsdirektorenkonferenz, Gesundheitsförderung Schweiz oder ein anderes neutrales Gefäss. Die Beiträge kämen so den Betroffenen zu Gute, ohne dass eine direkte Abhängigkeit zu einer Firma entstünde.

Sarah Wyss, Geschäftsführerin Selbsthilfe Schweiz

Beitrag zur Eco-Sendung betreffend „Tricks der Pharmaindustrie“

Direkter Link zur Sendung mit Sarah Wyss.