Schenke ihnen Licht aus deinem Dunkel

Die zweite nationale Selbsthilfe-Tagung stand ganz im Zeichen der Zusammenarbeit
Intensiv und inspirierend gestaltete sich der Austausch von Betroffenen und Selbsthilfegruppen mit Selbsthilfeorganisationen und Fachpersonen an der Tagung in Biel. Im Fokus stand dabei die Kooperation zwischen Selbsthilfe und Gesundheitsinstitutionen. Und die Zusammenarbeit von Selbsthilfeorganisationen.
Ein Unglück kommt selten allein, aber mit den Unglücken ist man oft allein
Multimorbidität, also mehrere Krankheiten zur gleichen Zeit, ist die häufigste Krankheitskonstellation. Wissenschaft, Lehre, Spitäler, Gesundheitssystem und Firmen, so Prof. Battegay vom Universitätsspital Zürich in seinem Vortrag, gingen aber von Monomorbidität und entsprechender Prozessoptimierung sowie Organisationsstrukturen und –kulturen aus. Das führe zur Fehlallokation von Ressourcen. Es brauche mehr Forschung und Verständnis für die Komplexität von Multimorbidität. Dazu können auch Selbsthilfegruppen etwas beitragen, indem die Kooperation zwischen Selbsthilfe und Spitälern institutionalisiert wird, wie Antje Liesener und Anke van den Bosch mit den Erfahrungen aus Deutschland aufzeigen konnten (vgl. Umfrage unten).


Gründe für Kooperation
Gründe für Kooperation
Zusammenarbeit zwischen vielfältigen Organisationen
So offen die Methode der Selbsthilfe ist, so viele grössere und kleinere Organisationen gibt es, die sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber sehen. Diese wurden in sechs Workshops bearbeitet. Die Finanzierung der Organisationen ist nach wie vor schwierig, die Trennung von Ehrenamt und Professionalisierung bleibt ein Spannungsfeld in der Selbsthilfebewegung. In einem anderen Workshop stand die Frage im Zentrum, wie statt Konkurrenz Partnerschaft gelebt werden kann und so Synergien genutzt und gemeinsames Wissen fruchtbar gemacht werden kann. Auch die Entwicklungen im digitalen Bereich waren ein Thema.

Es gibt Dinge, die man nur sehen kann mit Augen, die geweint haben
Aus der Sicht einer Betroffenen und auf der Grundlage der Schweizer Selbsthilfe-Studie referierte Petra Wittwer, abtretende Stiftungsrätin von Selbsthilfe Schweiz über Nutzen und Grenzen der Selbsthilfegruppen. Neben dem Austausch, der Aneignung von Informationen geht es auch um Gemeinschaft und die persönliche Entwicklung. Weniger technisch lässt sich es mit einem Gedicht von A. Manzoni erklären:

Nimm dir den Kummer deines Nächsten zu Herzen.
Schenk den andern
das Licht, das du nicht hast,
die Kraft, die du nicht besitzt,
die Hoffnung, die du in dir wanken spürst.

Schenke ihnen Licht aus deinem Dunkel.

Du wirst spüren,
dass Freude und Licht dich erfassen,
sie werden wirklich dein in dem Mass,
wie du sie anderen geschenkt hast.

Visuelles Protokoll der Tagung

Projekt Selbsthilfefreundliche Gesundheitsinstitutionen




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