Vreni Schmocker

In Zusammenarbeit mit Parkinson Schweiz gründete Vreni Schmocker die Selbsthilfegruppe SHG JUPP (Jungbetroffene Parkinson Personen) Pilatus.
Vreni Schmocker
Mit der Zeit
waren wir
wie eine Familie.
Vreni Schmocker
Es war einmal eine Frau, eine ganz normale Frau unter vielen anderen Frauen. Vor 9 Jahren schlug plötzlich das Schicksal bei der damals 45-Jährigen zu: sie bekam die Diagnose Parkinson, eine schleichende unheilbare Krankheit. Im Gehirn wird der Botenstoff Dopamin laufend abgebaut. Dopamin gibt die Impulse an die Muskeln, die dafür sorgen, dass man sich bewegen kann. Ein typisches Zeichen von Parkinson ist der Tremor, das Zittern der Hände, Beine oder des ganzen Körpers. In der Schweiz sind ca. 15'000 Betroffene Personen und jeder hat „seinen eigenen Parkinson“.

Für die normale Frau begann ein neues Leben mit vielen Herausforderungen. Plötzlich war sie keine normale Frau mehr, sondern eine Frau mit Parkinson. Es änderte sich viel, sie lernte Geduld zu haben, nicht zu verzweifeln und nicht den Mut und ihre Frohnatur zu verlieren und, so paradox es tönen mag, sie entdeckte ihre Beweglichkeit, die Liebe zum Tanzen!

Was gibt es Besseres als dieses Schicksal mit anderen Betroffenen zu teilen? Dafür gibt es Selbsthilfegruppen. Anfänglich sträubte sich die Frau, in eine solche Gruppe zu gehen, denn sie hatte Angst, Personen anzutreffen, deren Erkrankung im Vergleich zu ihrer weiter fortgeschritten war. Sie hatte Angst zu sehen, was sie erwartet. Sie traf sich mit der Leiterin der Parkinsonselbsthilfegruppe Zentralschweiz. Sie tauschten sich aus, die Leiterin sagte, die Frau solle doch einfach einmal unverbindlich an ein Treffen kommen und selber spüren, ob sie sich wohl fühle. Die Leiterin wurde eine gute „Parki“-Freundin von der Frau und sie gingen letztes Jahr sogar zusammen nach San Francisco!

Der Frau, nennen wir sie Vreni Schmocker, das bin nämlich ich, die schreibt, gefielen die Treffen immer besser. Ich fühlte mich wohl unter den Betroffenen, wir sprachen über Ängste, über die Medikamenteneinnahme, die Nebenwirkungen, die Einschränkungen, die Hilflosigkeit gegenüber der Krankheit und über Beziehungsprobleme mit den jeweiligen Partnern. Denn nicht nur wir waren betroffen, sondern auch die Familie, die Freunde, Nachbarn. Sie müssen mit ansehen, was die Krankheit bei uns Betroffenen „anrichtet“. Einem Menschen, den man liebt, nicht helfen zu können, ist wohl etwas vom Schwierigsten. (Übrigens, es gibt auch Selbsthilfegruppen für Angehörige von Parkinson Betroffenen)

Die Gruppe wurde immer grösser und so gelangte Parkinson Schweiz mit der Bitte an mich, selbst eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Ich musste nicht lange überlegen und stimmte zu. Da ich für Parkinson sehr jung bin, wurde eine Selbsthilfegruppe JUPP (Jungbetroffene Parkinson Personen) gegründet. Wir gaben ihr den Namen meines Lieblingsberges, Pilatus. Im März 2007 war das erste Treffen von JUPP Pilatus in Ebikon, im Zentrum der reformierten Kirche. In der Anfangszeit waren wir fünf betroffene Personen mit Partner, mittlerweile sind es 22 betroffene Personen mit Partner.

Das Leiten der Gruppe und Organisieren von Fachvorträgen, z. B. über Logopädie, über Meditation, Homöopathie, Atemtherapie, Ernährungslehre, Massage zum Wohle für uns Betroffene, machte mir riesig Spass. Wir besuchten u.a. das neue Zentrum für ambulante Neurorehabilitation im Kantonsspital Luzern und die Reha-Klinik für Parkinson Betroffene in Zihlschlacht am Bodensee. Einmal fand auch ein Lachyoga-Kurs statt. Natürlich durften auch die gemütlichen Sachen nicht fehlen, wie z. B. das Herbst-Grill- und Tanzfest oder der Adventsabend. Genügend Raum gab ich auch dem “einfach Beisammensein“. Mit der Zeit waren wir wie eine Familie. Dazu gehört auch, Trauriges bewältigen zu müssen. Wir haben einige Mitglieder durch Todesfall verloren.

Nun habe ich, nach 5 Jahren, die Leitung der Selbsthilfegruppe JUPP Pilatus abgegeben, damit ich neue Projekte anpacken kann. Ich finde es gut, wenn man auf dem Höhepunkt aufhört. Ich möchte die Selbsthilfegruppe in andere Hände legen, die mit Freude bereit sind, „meine Gruppe“ weiterzuführen. Ich werde sicher ab und zu an den Treffen teilnehmen, denn ich habe durch die Selbsthilfegruppe viele wertvolle Freundschaften geschlossen und durch den Teamgeist in der Gruppe viele Einsichten und Tipps bekommen, um besser mit der Krankheit umgehen zu können. Die Selbsthilfegruppe ist und bleibt eine gute Sache!

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