Kooperationen sind dauerhaft

Das Beispiel der Psychiatrie Baselland

Seit 2019 haben bereits 50 Spitäler in der Schweiz die Auszeichnung "Selbsthilfefreundlich" erhalten. Bis Ende 2025 musste diese alle zwei Jahre neu beantragt werden, neu ist sie vier Jahre gültig. 

Von den 50 ausgezeichneten Spitälern haben 18 ihre Auszeichnung bereits mindestens einmal wiederholt - 2 davon ein drittes und 3 sogar ein viertes Mal. Diese Kooperationen bestehen also seit bis zu 8 Jahren. 

Eines davon ist die Psychiatrie Baselland, die seit 2020 eine intensive Zusammenarbeit mit dem Zentrum Selbsthilfe Basel pflegt und im August 2026 zum vierten Mal die Auszeichnung entgegennehmen durfte. DIe anderen beiden sind das Spital Thun mit seinen Brust-, Darm- und Prostatakrebszentren, und das Universitäre Kinderspital beider Basel.

In ihrer Medienmitteilung beschreibt die PBL, warum die dauerhafte Zusammenarbeit mit Selbsthilfezentrum und Selbsthilfegruppen als grosser Gewinn für das Spital gepflegt wird:
 

PBL erneut als selbsthilfefreundliches Spital ausgezeichnet

Die Psychiatrie Baselland (PBL) ist erneut von Selbsthilfe Schweiz als «Selbsthilfefreundliches Spital» ausgezeichnet worden. Damit wird eine Zusammenarbeit bestätigt, die bei der PBL seit Jahren fest verankert ist.

Menschen mit psychischen Erkrankungen profitieren nicht nur von professioneller Behandlung. Ebenso wertvoll kann der Austausch mit Menschen sein, die Ähnliches erlebt haben. Ergänzend zu einer ambulanten oder stationären Therapie in der Psychiatrie kann Selbsthilfe eine wichtige Brücke in den Alltag sein. Selbsthilfegruppen schaffen einen Raum, in dem Betroffene oder Angehörige Erfahrungen teilen, voneinander lernen und sich gegenseitig auf ihrem weiteren Weg unterstützen können. Wer von Erfahrungen anderer profitiert, erlebt, dass Veränderung möglich ist und dass Rückschläge nicht das Ende bedeuten. Genau das können Betroffene oder Angehörige häufig besonders glaubwürdig vermitteln und damit anderen Hoffnung und Mut geben.

Deshalb ist es der PBL sehr wichtig, dass die Selbsthilfe in die patientenzentrierte Versorgung integriert ist. Pablo Philipp, Verantwortlicher für die Selbsthilfe bei der PBL freut sich über die Wiederauszeichnung:

«Die Selbsthilfe ergänzt die professionelle Behandlung um etwas, das wir als Fachpersonen nicht ersetzen können: den Austausch in einer Gruppe auf Augenhöhe mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Das gemeinsame Teilen und der Umgang mit psychischen Erkrankungen oder schwierigen Lebenssituationen sind wichtige Elemente der Genesung. Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass unsere Patientinnen und Patienten die Selbsthilfe kennen und möglichst unkompliziert Zugang dazu finden.»

Die PBL arbeitet seit mehreren Jahren eng mit dem Zentrum Selbsthilfe Basel und Selbsthilfegruppen aus der Region zusammen. Bereits 2020 wurde die PBL erstmals als selbsthilfefreundliches Spital ausgezeichnet; Wiederauszeichnungen folgten 2022, 2024 und neu 2026.

Dank Qualitätskriterien Kontinuität gewährleisten

Hinter der Auszeichnung steht mehr als ein Label. Das Modell von Selbsthilfe Schweiz basiert auf mehreren Qualitätskriterien. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenarbeit zwischen der regionalen Selbsthilfe und der PBL. Zudem werden Patientinnen und Patienten systematisch auf Selbsthilfeangebote aufmerksam gemacht und darüber informiert. Seit 2026 gelten neue Rahmenbedingungen. Die Auszeichnung ist nun vier statt zwei Jahre lang gültig. Die Qualitätsarbeit läuft während dieser Zeit weiter: Jährlich findet eine dokumentierte Selbstevaluation statt; im vierten Jahr folgt für die Wiederauszeichnung erneut ein Qualitätsberatungsgespräch mit der Selbsthilfe Schweiz.

Auch über die bestehenden Qualitätskriterien hinaus soll die Zusammenarbeit weiter vertieft werden. Gemeinsam werden Möglichkeiten entwickelt, wie Selbsthilfeangebote für Patientinnen und Patienten noch greifbarer und leichter zugänglich werden können.

Elena Konstantinidis ist stellvertretende Geschäftsführerin Selbsthilfe Schweiz und Projektleiterin selbsthilfefreundliche Spitäler in der Schweiz. Sie betont:

«Die erneute Auszeichnung zeigt, dass Selbsthilfefreundlichkeit bei der Psychiatrie Baselland nicht als einmaliges Projekt verstanden wird, sondern langfristig in der Versorgung verankert ist. Entscheidend ist die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen der Gesundheitsinstitution, regionalem Selbsthilfezentrum und Menschen mit eigener Erfahrung.»

Mehr als 200 Selbsthilfegruppen in der Region Basel

Wie gross das Bedürfnis nach Austausch und Unterstützung ist, zeigen die aktuellen Zahlen des Zentrums Selbsthilfe Basel. 2025 bestanden in der Region 206 Selbsthilfegruppen, neun mehr als im Vorjahr. 48 davon treffen sich im Kanton Basel-Landschaft. Besonders gewachsen ist das Angebot bei psychischen Belastungen und sozialen Herausforderungen. Neue Gruppen entstanden beispielsweise zu ADHS im Erwachsenenalter, Angst und Panik sowie psychischer und physischer Gewalt. Auch die Beratungszahlen im Zentrum Selbsthilfe sind gestiegen. Rund 80 Prozent der Anfragen an die Beratungsstelle betrafen 2025 psychosoziale Themen oder psychische Erkrankungen.

Katharina Rübsaamen, Co-Geschäftsleiterin Zentrum Selbsthilfe Basel, betont dass gerade im Bereich psychische Gesundheit das Interesse an Beratung und Selbsthilfegruppen in der Region Basel gestiegen sei. Gerade deshalb sei die langjährige Zusammenarbeit und Weiterentwicklung mit der PBL wertvoll:

«Die Zusammenarbeit hilft uns, Betroffenen und Angehörigen den Zugang zu Selbsthilfeangeboten frühzeitig aufzuzeigen und kontinuierlich zu gewährleisten.»


Text und Foto: PBL, Joëlle Beeler (1.10.2026)

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